Verschieberitis

„Es ist wieder passiert. Die E-Mail liegt seit drei Wochen unbeantwortet in meinem Posteingang. Jedes Mal, wenn ich sie sehe, spüre ich einen Stich im Magen – eine Mischung aus Scham und Rechtfertigung. "Ich mache es gleich", sage ich mir. Seit 21 Tagen. Aber zwischen mir und dieser simplen Aufgabe steht eine unsichtbare Wand, die mit jedem Tag dicker wird.

Wenn es gut läuft, dann wache ich morgens mit den besten Vorsätzen auf. Heute wird alles anders. Heute packe ich endlich an, was seit Monaten wie ein Damoklesschwert über mir hängt. Ich setze mich an den Schreibtisch, öffne Ordner und Belege – und dann kommt diese Welle. Ein Gefühl, als würde sich mein ganzer Körper gegen mich verschwören. Mein Herz schlägt schneller, meine Hände werden feucht, und plötzlich ist die Küche das Wichtigste auf der Welt. Sie muss jetzt sofort aufgeräumt werden. Sofort.

Ich habe Angst. Angst, es nicht gut genug zu machen. Angst, dass das Ergebnis zeigen könnte, dass ich versage. Beim Schreibkram ist es die Panik, einen Fehler zu machen und dann blöd dazustehen. Bei beruflichen Projekten die Sorge, dass alle merken, dass ich eigentlich keine Ahnung habe. Je wichtiger eine Aufgabe ist, desto mehr erstarrt etwas in mir.

Und dann kommen die anderen und sagen: "Du musst dich einfach mal zusammenreißen!" Als wäre es so einfach. Als hätte ich das nicht schon tausendmal versucht. Mein Chef schüttelt den Kopf: "Sie haben so viel Potenzial, aber Sie nutzen es nicht." Seine Enttäuschung tut weh, aber was noch mehr wehtut: Er hat recht. Ich weiß, dass ich es kann. Ich weiß nur nicht, wie ich über diese innere Blockade kommen soll.

"Bist du einfach faul?" Diese Frage hat mir meine Mutter letzte Woche gestellt. Ich habe gelacht und etwas von Stress gemurmelt. Aber nachts habe ich geweint. Weil ein Teil von mir genau das glaubt. Dass ich faul bin. Unwürdig. Dass ich es nicht verdiene, erfolgreich zu sein, wenn ich nicht mal diese eine beschissene E-Mail beantworten kann.

Dabei weiß ich, genau, dass es schlimmer wird. Die Deadline rückt näher, der Druck steigt, die Angst wächst. Aus einem überschaubaren Projekt wird ein Monster, das mich nachts nicht schlafen lässt. Ich male mir aus, wie einfach alles wäre, wenn ich damals einfach angefangen hätte. Tagsüber sitze ich wie gelähmt und scrolle durch TikTok, als könnte ich dort Erlösung finden. Jedes lustige Video, jeder belanglose Post ist ein kleiner Aufschub.

Besonders hart trifft es mich bei Dingen, die mir wichtig sind. Ich wollte schon immer einem engenFreund ein Fotobuch zusammenstellen. Der Ordner mit den Bildern auf dem Rechner ist voll mit ausgewählten Fotos und Ideen. Aber sobald ich ihn öffne, verfalle ich in Selbstzweifel. "Was, wenn es schlecht ist? Was, wenn alle lachen? Was, wenn ich beweise, dass ich kein Talent habe?" Also schaue ich lieber eine weitere Stunde Videos über das Fotobücher. Ich kann mich ja informieren. Das ist auch produktiv. Oder?

Die Scham nagt an mir. Wenn Freunde fragen, wie es mit meinen Projekten läuft, ergehe ich mich in Ausflüchten. Ich erzähle von Fortschritten, die es nicht gibt. Erfinde Ausreden.

Alles nur heiße Luft? Und wenn sich dann unter großem Druck doch noch ein Erfolgserlebnis einstellt, dann sitze ich wieder da und die nächste Aufgabe wartet. Der Kreislauf beginnt von vorn.

Ich fühle mich kontrolllos. Als würde ich in meinem eigenen Leben nur zuschauen. Als wäre da jemand anders an den Hebeln, der immer wieder die falsche Entscheidung trifft. Ich ermahne mich innerlich: "Fang einfach an! Mach es! Es sind nur fünf Minuten!" Aber mein Körper gehorcht nicht. Meine Augen suchen nach Ablenkung.“

Der Weg zu einem gesunden Selbstvertrauen in die eigenen Fähigkeiten ist kein Sprint, sondern ein Marathon. Aber jeder Schritt lohnt sich. Auf dem Weg zur Bewusstwerdung Ihres eigenen Wertes. Gerne begleiten wir Sie hierbei. Melden Sie sich.

 

Zurück
Zurück

Angst