Standortfragen
„Ich stehe am Fenster und sehe zu, wie der Regen gegen die Scheibe klatscht. In meiner Hand halte ich zwei Zettel: auf dem einen steht „Stadt“, auf dem anderen „Land“. Beide sind schon zerknittert von den vielen Malen, die ich sie hin- und hergedreht habe. Mein Kind sitzt am Tisch und malt ein Haus – mit einem riesigen Garten, einem Baum und einer Schaukel. „Hier können wir ein Baumhaus bauen, Papa!“, sagt es begeistert. Ich lächle und höre meinen inneren Stimmen zu.
Die eine flüstert: Stadt. Leben. Bewegung. Ich stelle mir vor, wie wir durch belebte Straßen laufen, wie mein Kind in einem der vielen Parks mit anderen Kindern tobt, wie ich abends in ein Café gehe und einfach da bin – mittendrin. Ich denke an die Museen, die Konzerte, die Möglichkeit, spontan etwas zu erleben. An die kurzen Wege, die urbane Lebendigkeit, das Gefühl, dass die Welt hier atmet. Vielleicht in den Norden, wo die Luft klar ist und das Meer nah? Oder doch lieber in den Süden, wo die Sonne wärmer scheint und die Menschen offener wirken?
Doch dann kommt die andere Stimme, leiser, aber beharrlich: Land. Ruhe. Raum. Ich sehe uns in einem kleinen Haus mit einem Garten, in dem mein Kind barfuß durchs Gras läuft und wir abends die Sterne zählen. Ich spüre die Stille, die mir manchmal fehlt – das Gefühl, atmen zu können, ohne dass mich jemand anrempelt. Ich denke an die Wälder, die Felder, die Möglichkeit, einfach anzukommen. Vielleicht irgendwo im Grünen, wo die Zeit langsamer tickt und die Nachbarn noch mit einem nicken.
Und dann ist da noch die Frage nach der Schule. Jetzt ist mein Kind hier eingebunden in seinen Freundeskreis, in den Verein. Der Schulweg ist bekannt und die Schule ok. Darüber bin ich immer wieder dankbar. Wie wird das, wenn das alles wieder von vorne beginnen soll?
Manchmal, wenn ich mein Kind ansehe, das so selbstverständlich von „unserem neuen Zuhause“ spricht, wünschte ich, ich könnte einfach wissen, was das Richtige ist. Soll ich ihm die Stadt schenken, mit all ihren Chancen und ihrem Lärm? Oder das Land, mit seiner Ruhe und seinem Raum? Soll ich mich für den rauen Charme des Nordens entscheiden oder für die sonnenverwöhnte Gelassenheit des Südens?
Ich spüre, wie mich diese Unentschlossenheit lähmt. Jede Option hat ihr Eigenes, ihr Schönes – und ihr Unbequemes. Vielleicht brauche ich einfach jemanden, der mir hilft, meine eigenen Wünsche von meinen Ängsten zu unterscheiden. Jemanden, der mir zuhört, wenn ich von meinen Träumen und Zweifeln erzähle. Jemanden, der mir nicht sagt, was ich tun soll, sondern der mir hilft, es selbst zu spüren.
Denn am Ende geht es ja nicht nur um einen Ort. Es geht darum, wo wir – mein Kind und ich – uns zu Hause fühlen können. Und vielleicht brauche ich genau dafür ein bisschen Unterstützung.“
Vielleicht können wir Ihnen die nötige Unterstützung geben, um Ihr Zuhausegefühl zu finden. Melden Sie sich gerne.